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Alterna(t)ivmedizin

Pillen (Pixabay _mequable)
Pillen (Pixabay _mequable)

Alternativmedizin

 

Alternativmedizin, oft auch als Quacksalberei belächelt, ist ein immer wiederkehrendes Thema in der Diskussion um die Gesundheitsvorsorge. Des öfteren erfährt man in den Medien von großartigen Heilungserfolgen und haarsträubender Geldmacherei gewissenloser Kurpfuscher.

Ich denke, das Problem liegt in der mangelnden objektiven Aufklärung des Patienten, gerade über Vor- und Nachteile der Behandlungsmethoden. Aber um bei der Komplementärmedizin zu bleiben, auch hier gehen die Meinungen extrem auseinander.

Auf der einen Seite stehen die Patienten, die über sensationelle Heilerfolge berichten und drauf schwören, frühmorgens barfuß über eine Wiese zu laufen, danach sich die Verspannungen mit Akupunktur beheben lassen und abends eine Tasse Entschlackungstee schlürfen. Auch ist es unbestritten, dass eine Massage oder wohlgesetzte Akupunkturnadel oft den schlimmsten Migräneanfall, bei dem sogar Opiate zu versagen drohen, lindern kann. Und in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden seit Jahrtausenden Drogen erforscht und angewendet, und immer nach ausführlicher Befragung des Patienten mit genauester optischer und haptischer Untersuchung. Oft dauert solch eine Erstberatung über eine Stunde. Danach weiß der Arzt aber wirklich alles, was er wissen muss, von Schlafgewohnheiten angefangen, über Ernährung bis zur Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz.

Auf der anderen Seite stehen die Ärzte, die Statistiker und die Pharmaindustrie. Denn es kann doch dem Patienten nicht einfach besser gehen, wenn er selbstgewählte Heilmethoden anwendet und die Pillen verschmäht. Und außerdem ist es doch für die Pharmaindustrie viel besser, wenn man so lange Statistiken in Auftrag gibt, bis das Ergebnis stimmt und die Alternativmedizin als wirkungslos abgestempelt wird.

Den wesentlichen Unterschied zur Schulmedizin sehe ich darin, dass bei den alternativen Behandlungsmethoden selten das ganzheitliche Konzept außer Acht gelassen und auch auf die psychische Verfassung des Patienten eingegangen wird. Da werden nicht einfach nach 5 Minuten Patientengespräch Pillen verschrieben, oft willkürlich, ohne über allfällige Auswirkungen aufgeklärt zu haben und im Wartezimmer warten schon die Vertreter der nächsten Pharmafirma mit Gratisproben und Schächtelchen noch kaum erprobter Medikamente.

Da auch der Glaube Berge versetzen kann und es inzwischen hirnphysiologisch nachweisbar ist, dass positives Denken und das Beschreiten neuer Wege Auswirkungen auf unseren körperlichen Gesundheitszustand haben und seit Generationen bestimmte Heilmittel und Methoden Erfolg haben, obwohl kein wissenschaftlicher Erfolg nachweisbar ist, können diese Arten der Behandlung durchaus zur Besserung des Gesundheitszustandes beitragen.

Da kann man bei der Alternativmedizin nichts falsch machen, könnte man meinen. Doch auch hier zeigt sich, dass einmal mehr viel zu wenig aufgeklärt wird. Man kann zwar viele relativ harmlose Beschwerden mithilfe der „Außenseitermedizin“ behandeln, aber wirklich schwere Krankheiten werden dadurch oft verschleiert und die konservative Behandlung so lange hinausgeschoben, bis es zu spät für eine Behandlung und leider oft auch für den Patienten ist.

Aus der Sicht der Schulmediziner ist es unverantwortlich, umstrittene Methoden anzuwenden, denn an erster Stelle steht der Heilerfolg. Und je schneller eine Krankheit erkannt und behandelt wird, umso schneller ist sie der Patient im besten Falle wieder ganz los.

Da es den Menschen subjektiv besser geht, wenn sie selber „was getan“ haben und es anscheinend „selbst in der Hand“ haben  (Placeboeffekt), verschweigen sie den Medizinern oft wesentliche Beschwerden. Sie versuchen, zuerst ein „Tee’tscherl“ und einen Fußwickel. Oft genügt das auch, um eine Erkältung zu kurieren. Aber bei einer ausgewachsenen viralen Grippe ist das oft zu wenig.

Auch wissenschaftlich gesehen gibt es oft große Diskrepanzen zwischen dem subjektiven Befinden des zu Behandelnden und den nachgewiesenen Inhaltsstoffen. Auch wird der Effekt oft auch widerlegt und ist kaum größer als der Placeboeffekt.

Man sollte bei der ganzen Thematik zusätzlich nicht außer Acht lassen, dass jeder Mensch unterschiedlich reagiert. Was dem einen gut tut, kann dem anderen schaden, siehe die mannigfaltigen Allergien unserer Zeit.

Zum einen haben wir nun unsere hoffnungsvollen Anhänger der traditionell überlieferten Medizin, die auf ihre Methoden schwören und von den Schulmedizinern nichts halten,  und zum anderen gelehrte Wissenschafter, die genauestens Rechenschaft über jedes Mikrogramm eines Inhaltsstoffes ablegen und über alle Vorgänge im Körper inklusive dem Aufbau des menschlichen Genoms Bescheid wissen.

Auch darf man die Macht des Geldes nicht vergessen, die viele Pharmazeutik-Hersteller verleitet, äußerst ungeeignete Medikamente auf den Markt zu bringen. Um nur zwei Beispiele zu bringen, sei erwähnt, dass eine Gattung der Artemisia-Familie (ein Beifuss-Gewächs) gegen Malaria hilft, sich aber nur wenige der großen Firmen damit beschäftigen. Und Contergan wird, wie man in den Medien erfahren kann, immer noch verwendet. (Contergan ist ein an und für sich harmloses Schlafmittel, das aber, in der Schwangerschaft genommen, zu schweren Missbildungen des Fötus führt).

Um diese Diskrepanz zu verdeutlichen, habe ich etwas launiger als üblich geschrieben, noch näher auf dieses sehr weit gefächerte Thema einzugehen, würde bedeuten, eine halbwissenschaftliche Arbeit zu verfassen. Zum Abschluss noch meine persönliche Moral zu diesem Thema:

 

Der goldene Weg liegt in der Mitte.

Was meint Ihr dazu?