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Ist Safran ein Wunderkraut oder handelt es sich um ein leeres Heilsversprechen?

Crocus Sativus (Pixabay - cocolate66)
Crocus Sativus (Pixabay – cocolate66)

 

Von Safran wird schon in der griechischen Mythologie berichtet. In einer Sage wird erzählt, dass Zeus auf einem Bett aus Safran geschlafen habe. Dies zeigt, wie wertvoll Safran schon damals war, denn das Gewürz hat etliche positive Eigenschaften. Ihm werden schmerzlindernde und schweißtreibende Eigenschaften nachgesagt. Ebenso soll er sich bei Verdauungsbeschwerden und bei Schwierigkeiten mit der Atmung bewährt haben. Auch hat Safran seit der Antike einen Ruf als Aphrodisiakum. Daneben soll Safran als Mittel gegen epileptische Anfälle eingesetzt werden können und die Lern- und Gedächtnisfunktion verbessern.

Studien an Nagetieren zeigen positive Effekte bei bestimmten Erkrankungen.

Die Wirkung von Safran wurde von Wissenschaftlern genauestens überprüft. Die Studien und Versuche wurden an Nagetieren durchgeführt und lassen sich bedingt auf den Menschen übertragen. Die Ergebnisse eines Versuchs legen nahe, dass Safran im Tiermodell den Blutdruck verringern kann (1). Je nach Menge des verwendeten Extrakts wurde künstlich erhöhter Blutdruck mehr oder weniger stark gesenkt.

Im nächsten Versuch wurde untersucht, wie sich Safran auf epileptische Anfälle auswirkt (2). Bei Mäusen reduzierte Safranal die Länge der Krämpfe.

Die hustenstillende Wirkung von Safran wurde anhand von Meerschweinchen erforscht (3). In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass ein Extrakt aus Safranblüten Husten verringerte.

In einem weiteren Versuch konnte festgestellt werden, dass Gedächtnis und Lernfähigkeit durch Safranextrakt verbessert worden sind. Die Studie legt deshalb nahe, dass Safran einen positiven Effekt haben könnte (4).

Auch die Auswirkungen von Safran auf den Sexualtrieb wurden erforscht (5). Dabei wurden an männlichen Ratten Versuche mit Crocin, Safranal und Sildenafil durchgeführt. Es zeigte sich, dass Safran anscheinend positive Auswirkungen auf die Potenz und den Geschlechtstrieb hatten, während Safranal alleine keinen Effekt erzielte.

Safran scheint im Tierversuch auch eine angstlösende Wirkung aufzuweisen. Dabei wurde Crocin mit Diazepam verglichen. Ab einer Dosis von 50 mg pro Kilogramm Körpergewicht zeigten sich bei Ratten im Hell-Dunkel-Test angstlösende Effekte. Bei diesem Test konnte in der Studie die Zeit verlängert werden, die Ratten im Licht blieben (6).

Um die Wirkung von Safran als Muskelrelaxans zu untersuchen, wurde eine Versuchsreihe an Meerschweinchen durchgeführt (7). In dieser zeigte sich ein stimulierender Effekt des Safranextrakts auf die β2-Adrenorezeptoren. Diese Rezeptoren sind unter anderem für die Aktivierung von Adrenalin verantwortlich. Adrenalin wiederum lockert und entspannt die glatte Muskulatur.

 

Hat Safran einen positiven Effekt auf die Gesundheit des Menschen?

Die Wirkung von Safran wurde auch an Menschen und menschlichen Zellen getestet. Die antikanzerogene Wirkung wurde an menschlichen Zellen untersucht, wobei sich der zytotoxische Effekt von Safran nur gegen Tumorzellen richtete (8). Das lässt vermuten, dass sich Safran und seine carotinoiden Komponenten als Mittel gegen Krebs eignen könnten. Besonders das Crocetin zeigte eine starke antioxidative Wirkung.

In einer Doppelblindstudie wurde der Effekt von Safran auf das prämenstruelle Syndrom erforscht (9). In der randomisierten und placebokontrollierten Studie wurden Frauen zwischen 20 und 45 Jahren mit einem normalen Menstruationszyklus und PMS-Symptomen über 6 Monate hinweg behandelt. In der Versuchsanordnung wurden die PMS-Symptome gelindert. Die Ergebnisse erfordern allerdings weitere Versuche und Studien, um aussagekräftig zu sein.

Safran scheint einen positiven Effekt auf Depressionen zu haben. In einer doppelblinden, Placebo-kontrollierten und randomisierten Versuchsreihe wurde 40 erwachsenen Patienten mit Depressionen entweder Kapseln mit Safran-Extrakt oder ein Placebo verabreicht (10). Dabei stellten die Wissenschaftler fest, dass sich Safranblütenblätter zur Behandlung einer milden bis mittelschweren Depression eignen würden.

Safran scheint zudem positive Effekte auf die Blutversorgung des Auges zu haben. In einer Versuchsreihe zeigte sich, dass mit Auszügen aus Safran eine altersbedingte Makuladegeneration hinausgezögert werden könnte (11). Ebenso schien sich bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung der Fettstoffwechsel zu verbessern (12).

Safran – ein wirksames und teures Gewürz

Dass Safran in klinischen Tests eine heilende Wirkung haben kann, wurde hinlänglich erforscht. Doch wie Paracelsus schon so schön feststellte: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ Safran werden viel heilsame Eigenschaften zugeschrieben, aber man darf nicht vergessen, dass die tödliche Dosis für Erwachsene bei 10 bis 20 Gramm liegt, bei Kindern sogar wesentlich darunter. Wie bei allen Lebensmitteln auch sollte man auch hier nur hochwertige Qualität zu sich nehmen und im Zweifelsfall den Arzt oder Apotheker befragen.

 

1: Effects of Crocus sativus petals‘ extract on rat blood pressure and on responses induced by electrical field stimulation in the rat isolated vas deferens and guinea-pig ileum (Fatehi M1, Rashidabady T, Fatehi-Hassanabad Z.)
2: Anticonvulsant evaluation of safranal and crocin from Crocus sativus in mice (Hosseinzadeh H, Talebzadeh F.)
3: Evaluation of the antitussive effect of stigma and petals of saffron (Crocus sativus) and its components, safranal and crocin in guinea pigs (Hosseinzadeh H, Ghenaati J.)
4: Effects of saffron extract and its constituent crocin on learning behaviour and long-term potentiation (Abe K, Saito H.)
15: The effect of saffron, Crocus sativus stigma, extract and its constituents, safranal and crocin on sexual behaviors in normal male rats (Hosseinzadeh H, Ziaee T, Sadeghi A.)
6: Effects of the active constituents of Crocus sativus L., crocins, in an animal model of anxiety (Pitsikas N, Boultadakis A, Georgiadou G, Tarantilis PA, Sakellaridis N.)
7: Stimulatory effect of Crocus sativus (saffron) on beta2-adrenoceptors of guinea pig tracheal chains) (Nemati H, Boskabady MH, Ahmadzadef Vostakolaei H.)
8: Use of in vitro assays to assess the potential antigenotoxic and cytotoxic effects of saffron (Crocus sativus L.) (Abdullaev FI, Riverón-Negrete L, Caballero-Ortega H, Manuel Hernández J, Pérez-López I, Pereda-Miranda R, Espinosa-Aguirre JJ.)
9: Crocus sativus L. (saffron) in the treatment of premenstrual syndrome: a double-blind, randomised and placebo-controlled trial (Agha-Hosseini M, Kashani L, Aleyaseen A, Ghoreishi A, Rahmanpour H, Zarrinara AR, Akhondzadeh S.)
10: Crocus sativus L. (petal) in the treatment of mild-to-moderate depression: a double-blind, randomized and placebo-controlled trial (Moshiri E, Basti AA, Noorbala AA, Jamshidi AH, Hesameddin Abbasi S, Akhondzadeh S.)
11: Effects of crocin analogs on ocular blood flow and retinal function (Xuan B, Zhou YH, Li N, Min ZD, Chiou GC.)
12: Antioxidant property of Saffron in man (Verma SK, Bordia A.)

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