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Oskar Kokoschka | Hauptwerke der Sammlung | Sammlung Leopold | Leopold Museum

Bildanalyse „Tre Croci“ – Dolomitenlandschaft von OSKAR KOKOSCHKA

Quelle: Oskar Kokoschka | Hauptwerke der Sammlung | Sammlung Leopold | Leopold Museum

Öl auf Leinwand 80 x 120,1 cm
Leopoldmuseum Wien / Inv.Nr. 624

Das Landschaftsbild „Tre croci“ von Oskar Kokoschka, im Besitz des Leopoldmuseums Wien, wurde 1913 in Öl auf Leinwand gemalt. Es hat eine querrechteckige Form mit den Massen 80 x 120,1 cm. Das Bild gibt einen Eindruck einer Abenddämmerung in den Dolomiten bei Vollmond wieder.

Im Vordergrund ist mittig ein nach rechts blickendes Pferd zu sehen und rechts davon eine Baumgruppe aus drei Nadelbäumen, einer davon ohne Nadeln, ganz rechts ist ein junger Laubbaum abgebildet.

Am linken Bildrand erstreckt sich ein hellgrau gehaltener Weg bis in den Mittelgrund in die Bildmitte. Auf diesem ist ein von zwei Pferden gezogener Leiterwagen mit einem Kutscher und einer weiteren Figur auf dem Wagen. Der Weg, wohl der Gebirgspass „Tre Croci“, führt zu zwei Nadelbäumen, die genau in der Bildmitte platziert sind.

Im Hintergrund sind die Dolomiten von Westen aus gesehen, Blickrichtung Osten. Der Gebirgszug ist deutlich zu erkennen, ebenso die Gipfel der „Drei Zinnen“.

In der Bildmitte ganz oben ist der Vollmond zu sehen, eingehüllt in einen hellen Schleier. Die Abenddämmerung ist an rötlichen Stellen am Pferd im Vordergrund und an den Bergen zu erkennen.

Das Bild wirkt ruhig, in sich ausgeglichen und friedvoll. Beim Betrachten hat man das Gefühl, dass sich die Stimmung der Nacht jederzeit einstellen könnte.

An den Rändern des Bildes erkennt man bräunliche Flecken auf beigem Grund.

Es zeigt im Vordergrund ein grasendes nach rechts blickendes Pferd im Profil, der Kopf ist in der Mitte des Vordergrundes platziert, der Hals zum Boden hin gestreckt. Das rechte Vorderbein ist nach vorne gestreckt, das linke leicht nach links versetzt und ebenfalls gestreckt. Auch das rechte Hinterbein ist gestreckt, während das linke, wie in Bewegung, nach hinten leicht abgewinkelt erscheint. Der Schweif steht im ganz leichten Bogen etwas ab, was ebenfalls einen dynamischen Eindruck erzeugt.

Am linken Bildrand in der Höhe des Kopfes des Pferdes beginnt ein hellgrauer Weg, der bis in die Bildmitte auf zwei hellgrüne Nadelbäume führt. Auf diesem Weg befindet sich ein Leiterwagen, mit einem Kutscher und einer Person auf dem Wagen. Der Wagen fährt in Richtung Bildmittelpunkt, gezogen von zwei hellen Pferden. Auf Höhe des Wagens ist am rechten Bildrand eine Baumgruppe mit mehreren Nadelbäumen zu sehen, einer davon ohne Nadeln. Hinter diesen Nadelbäumen beginnt ein Wald, der sich am Bildrand entlang bis nach oben erstreckt, wo er in eine Felsformation übergeht, die sich wiederum über den Bildrand hinaus nach oben fortsetzt.

Im Bildmittelpunkt sind zwei hell-grüne Nadelbäume mit dunkelgrünen Stämmen. Dahinter ist ein beinahe schon schwarzer Nadelwald. Vom Mittelpunkt aus führt ein in verschiedenen Grüntönen gehaltener Nadelwald an die Berggruppe am linken Bildrand, wo sich vereinzelt Nadelbäume am Berghang finden. Dieser Berghang führt bis fast nach ganz oben an den linken Bildrand.

Vom rechten unteren Drittel des Bildes führt ein unregelmäßig geformter Fluss bis fast in den Mittelpunkt, wo er sich knapp darunter mit dem Weg trifft.

Im Bildhintergrund an der linken Seite ist ein kleiner Nadelwald, der vom Weg nach links in einer sanften Steigung in eine Felsgruppe führt. Weiter hinten im Gemälde befinden sich die Dolomiten, genauer gesagt ganz links die Gebirgsgruppe der „Drei Zinnen“ und die „Sextener Dolomiten“.

Genau in der Mitte des Hintergrunds steht ganz oben der Vollmond, der mit seinem Schönwetter – Halo fast den Bildrand berührt. Links davon und darunter erstreckt sich eine helle, verwischte Wolke bis an den Bergrand. Der Himmel ist hellblau mit dunkleren Wolken.

„Tre Croci“ wurde mit teilweise dicken Borstenpinselstrichen gemalt, pastös aufgetragen. Es ist nichts mehr von der Leinwand zu sehen außer an den Bildrändern. Am linken Bildrand scheint dem Künstler ein Bildelement nicht gefallen zu haben, da der Baum über etwas anderes gemalt worden ist. In sich verwischt erscheint nur der Himmel, der Rest der Farben lässt sich klar abgrenzen. Es dominieren die Farben grün und blaugrün für den Boden und blau, hellblau und weiß für Himmel und Mond. In Braun wurde die Abgrenzung des Weges und eine Hügelkuppe parallel daneben gemalt.

Die meisten Pinselstriche weisen mindestens zwei verschieden Farben auf. Es wurden nur ganz wenig Farben auf dem Pinsel unvermischt aufgetragen, so zum Beispiel die blauen Akzentuierungen auf den Bergen, die rötlichen Farbspiele auf den Muskeln des Pferdes im Vordergrund, die schwarzen Umrandungen des Pferdes und die schwarzen Schatten in den Bergen.

Es gibt so gut wie keine Kontraste und auch fast keine reinen Farben. Die Abenddämmerung ist mit rot und lila bis rosa-Tönen auf den Bergen dargestellt, ebenso findet sich ganz wenig rot mit dünnen Pinselstrichen auf den Muskeln des Pferdes und an den Stämmen der Nadelbäume am rechten Bildrand.

Raum und Perspektive entsteht durch die Linienführung. Alle Linien laufen auf den Bildmittelpunkt zu wo der Fluchtpunkt liegt.. Auch dass sich der Weg nach hinten verjüngt, trägt zu diesem Eindruck bei. Auch der Weg, der nach hinten hin schmäler wird verstärkt den dreidimensionalen Eindruck, ebenso die Kanten des Leiterwagens, die nicht im rechten Winkel dargestellt sind.

Das Licht ist sehr sanft dargestellt, es erinnert an eine Abenddämmerung im Hochsommer. Im Vordergrund sind leichte Schatteneffekte zu erkennen, ebenfalls unter dem Wagen und dem vorderen Pferd. Die untergehende Sonne wurde mit zartrosa an den Berggipfeln und an einigen Stämmen und dem Pferd im Vordergrund wiedergegeben. Ansonsten scheint überall die gleiche sanfte Lichtstimmung zu herrschen.

Einer der Fluchtpunkte liegt in der Bildmitte: einige Linien laufen darauf zu, wie zum Beispiel der Weg, der Graben daneben, die Obergrenze der Baumgruppe auf der linken Seite im Bildhintergrund die Berghänge auf der rechten Seite, und der kleine Bach. Der Abhang auf der rechten Bildseite, verschiedene Schatten der Berge und eine hellere Stelle im linken Berghang hingegen scheinen als Fluchtpunkt den Mond zu haben.

Der Weg bildet mit dem Graben auf der rechten Seite ein Dreieck, mit den zwei hellen Bäumen als Spitze im Mittelpunkt. Die Berge selbst bilden ein auf dem Kopf gestelltes Dreieck. Beide Dreiecke treffen sich in der Mittel.

Der Schwerpunkt liegt beim Pferd im Vordergrund. Dieses bildet mit den zwei Pferden vor dem Wagen eine Parallele mit dem Graben auf der rechten Seite, und mit den oberen Ästen der Baumgruppe rechts eine Parallele zum Weg.

Die Proportionen sind naturgetreu dargestellt. Es wird mit der Größe der einzelnen Elemente eine perspektivische Darstellung der Umgebung gegeben. Auch die Berggipfel sind eindeutig wiederzuerkennen.

Der Künstler wollte meiner Meinung nach einen Urlaubsabend mit seiner um sieben Jahre älteren Freundin Alma Mahler festhalten, wohl seine schönste Zeit mit ihr, denn die Beziehung hielt nicht lange an und verlief problematisch. Dieses Bild gibt eine ergreifende Romantik wieder, alles scheint zu zweit, als Paar vorhanden zu sein (bis auf das Pferd im Vordergrund.) So sieht man im Bildmittelpunkt zwei Nadelbäume, auf dem Wagen sind zwei Menschen, die von zwei Pferden gezogen werden, der Weg hat als „Begleiter“ einen Graben, von der Berggruppe der „Drei Zinnen“ sieht man nur zwei Gipfel, die Baumgruppe auf der rechten Seite besteht aus zwei Bäumen.

Das einzelne Pferd könnte man als Kokoschka selbst interpretieren, die beiden Menschen auf dem Wagen als seine Geliebte und ihren Freund Walter Gropius. Die Dreiecke ließen auf diese Dreiecksbeziehung schließen. Andererseits könnte das einzelne Pferd auch an von seiner Freundin im Jahr zuvor abgetriebenes Kind schließen lassen und das Paar im Wagen als Oskar Kokoschka und Alma Mahler.

Dieses expressionistische Bild ist wurde kurz vor dem ersten Weltkrieg gemalt, in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Das Motiv ist unpolitisch, unverfänglich – ein Eindruck eines Augenblickes. Aufgrund einiger Recherchen stufe ich den Himmelkörper als Mond ein und nicht als Sonne, denn auch dieses wäre möglich. Kokoschka hat mit diesem Bild wohl einen der Ausflüge mit seiner Freundin Alma Mahler verewigt.

Bildskizze Tre Croci

Quellenangaben/Recherche:
Leben Kokoschkas: www.oskarkokoschka.at
Biographie Alma Mahler-Werfel

Zur Frage, ob es sich um Sonne oder Mond handelt:
Dolomiten-Panoramen zu verschiedenen Tageszeiten
www.mondkalender-online.de

Kompositionsskizze: SP = Schwerpunkt, FP = Fluchtpunkt

Diese Bildanalyse stammt aus dem Kunstunterricht am Abendgymnasium  Salzburg. Heute würde ich die Bildanalyse anders schreiben, vor allen Dingen würde ich sie besser gliedern und Überschriften zu den einzelnen Bereichen (Maltechnik, Farbgebung …) verwenden. Danke, Herr Tusch, der Unterricht hat sehr viel Spaß gemacht! http://www.geroldtusch.at/