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Von allwissenden Ärzten, Beipacktexten und Aquariumpumpen

Immer wieder lese ich im WWW Fragen zu Nebenwirkungen oder Wirkweisen von Medikamenten. Da stellt sich mir wiederum doch glatt die Frage, wieso manche Menschen mühsam lesen lernen, wenn sie diese äußerst nützliche Fähigkeit dann doch nicht anwenden?

Schon mal was von Wechselwirkungen gehört?

  • Eine beliebte unerwünschte Wirkung von Antibabypille mit Johanniskrautpräparaten: ein Baby.
  • Eine weitere unerwünschte Wechselwirkung: Herzmedikament & erhältliches Kalium: Muskelschwäche oder Herzrhythmusstörungen
  • Rezeptfreie Präparate gegen Sodbrennen können die Aufnahme vieler anderer Medikamente behindern.
  • Lustig ist auch Acetylsalicylsäure (Aspirin zum Beispiel) & Blutverdünner. Da blutet man ganz plötzlich viel mehr als sonst und niemand weiß warum.

Doch nicht nur zwischen zwei Medikamenten können Wechselwirkungen entstehen, das kann auch in der Kombination „Medikamente & Nahrungsmittel“ passieren. So erhöht Grapefruitsaft die Wirkung bestimmter Medikamente um bis zu 70%. Lustig ist auch Alkohol & Schlafmittel oder Antiallergika. Oder Mittel zur Blutverdünnung & Vitamin-K-haltigen Lebensmitteln wie Broccoli, Spinat und Co.

Aber woher soll man denn das alles wissen?

Gute Frage. Eine Antwort könnte hier der Beipacktext geben. Aber den muss man ja nicht lesen, weil logischerweise ist ein Arzt kein Mensch, sondern ein „Halbgott in Weiß“.

Somit macht er keine Fehler. Die Medikamente seines Patienten kennt er selbstverständlich alle auswendig (auch die, die von anderen Ärzten verschrieben werden), er kennt die selbst gekauften „Nahrungsergänzungsmittel“ und selbstverständlich auch die Ernährungsgewohnheiten seiner Patienten. So als Arzt ist er ja eigentlich unfehlbar. Ergo muss niemand den Beipacktext lesen.

 

Eine Liste beliebter Nebenwirkungen von Medikamenten: (Zitat und Quelle: da)

„Symptome einordnen: Warnzeichen

Hautreaktionen wie Hautjucken, Rötung, Ausschlag, Pusteln, Blasen können nach Abset­zen des Mittels wieder verschwinden . Zweiter Kontakt ist bei einer Allergie oft heftiger: Atemnot, Nesselfieber, kalter Schweiß,  Übelkeit,  Gesichtsschwellungen, Schwindel, Kreislaufzusammenbruch –  Notarzt!

Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen: Diese Beschwerden können von Antibiotika ausgelöst werden. Oder von einer Infektion. Müdigkeit kommt auch von Blutarmut.

Schwindel: Entweder hat das Medikament das Gleichgewichtsorgan im Innenohr geschädigt. Oder es hat zu Herzrhythmusstörungen geführt.

Veränderungen des Blutbilds: Zuwenig rote Blutkörperchen – das Gesicht ist auffallend blass,  in der Bindehaut treten die feinen Adern hellrosa hervor. Große Müdigkeit oder Blutungen im Magen-Darm-Trakt: pechschwarzer Stuhl oder geronnenes Blut. Wenn rote Blutkörperchen vermehrt abgebaut werden, können sich die Haut und die Bindehaut gelb verfärben.  Zu wenig weiße Blutkörperchen: erhöhte Infektanfälligkeit, häufig Fieber, eitrige Mandeln, häufige Halsschmerzen.  Zahl der Blutplättchen abgesunken, erhöhte Gefahr für Blutungen, Einblutungen und Blutergüsse. Zum Arzt.

Leberschäden: Übelkeit, eventuell Erbrechen, Juckreiz, Darmbeschwerden (Blähungen, Druckgefühl). Möglicherweise dunkler Urin und heller Stuhl, oft Gelbsucht (gelb verfärbte Bindehaut), . Zum Arzt.

Nierenschäden: Schmerzen im Nierenbereich und oft deutlich weniger Urin.

Herzrhythmusstörungen: Herzstolpern, -rasen, Schwindel, Ohnmacht. Bei Herzpatienten ist die Herzrhythmusstörung zu beachten. Wenn im Beipackzettel aufgeführt, bei geringstem Anzeichen für gestörten Herzrhythmus zum Arzt: Risiko des Kammerflimmerns.“

 

Und dann geht das Geheule los, wenn man plötzlich halbtot im Krankenhaus aufwacht – „warum hat mir das keiner vorher gesagt?“.

WEIL ES IM BEIPACKTEXT STEHT!

 

Das selbe Spiel, nur nicht ganz so tragisch, sondern eher amüsant, findet sich auch bei den Rezensionen auf Amazon wieder. Hier habe ich eine Aquariumpumpe bewertet, die es als Rezensionsexemplar gab. Ein Mittester hat sich hier nicht die Mühe gemacht, die Bedienungsanleitung zu lesen, sondern fröhlich eine Rezension dazu geschrieben. Es kam, wie es kommen musste: Er schrieb, dass er die Pumpe IN das Aquarium gehängt hätte.

War natürlich erstunken und erlogen, denn man weiß eigentlich, was passiert, wenn man ein Elektrogerät ins Wasser tunkt. Hier hat der gute Rezensent mehrfach nicht gelesen: 1. In der Bedienungsanleitung steht, dass die Pumpe NICHT in das Wasser getaucht werden darf. 2. Elektrogeräte, die nicht wasserdicht sind, gehören unter Umständen nicht wirklich unter Wasser. (Leider ist die Rezension von Amazon gelöscht worden, sonst hätte ich sie hier glatt verlinkt.)

Noch ein Beispiel fällt mir ein, wieso lesen wichtig ist: Test in der Schule, ganz unten steht „Bitte wenden!“. Was macht der schlaue Schüler? Richtig, er liest die Bitte, dreht das Blatt um und füllt den Test auch auf der Rückseite aus. (Wahre Begebenheit, eine Mitschülerin hat, Zitat: „die zweite Seite nicht gesehen“ und dafür – zu Recht, wie ich finde – ein „Nicht genügend“ kassiert.)

 

Non scholae, sed vitae discimus. Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir.

Was meint Ihr dazu?